Methodische Ansätze
Im Wesentlichen kann man vier grundsätzliche Therapierichtungen bzw. Ansätze
in der Psychotherapie unterscheiden. Alle therapeutischen Methoden lassen sich
mehr oder weniger auf diese Ansätze zurückführen.
Die Konzepte gehen hier teilweise ein wenig durcheinander.
- Tiefenpsychologische
Ansätze (Psychodynamisch)
- Verhaltenstherapeutische
Ansätze
- Humanistische
Ansätze
- Systemische Therapien
außerdem werden oft
unterschieden
- Körperorientierte
Ansätze (Progressive Muskelrelaxation (Jakobson), Konzentrative
Bewegungstherapie etc.)
- Andere
Therapieformen (z.B. autogenes Training sowie verschiedene Integrative Ansätze)
Gehen zurück auf Sigmund Freud. Arbeitet Aufdeckend und
ist stark vergangenheitsbezogen. Im ursprünglichen Menschenbild der
Tiefenpsychologie ist der Mensch das Opfer seiner Triebe. Die Leiden des
Erwachsenen werden als äußeres Symptom innerer ungelöster Traumata und
Konflikte aus der Kindheit angesehen.
Zu den tiefenpsychologischen Ansätzen rechnet man
die
- Psychoanalyse
(Freud)
- Individualpsychologie
(Adler)
- Analytische
Psychoanalyse (Jung)
- Vegetotherapie
(Reich)
- Bioenergetik
(Lowen)
- Transaktionsanalyse
(Berne)
Zur Beschreibung einzelner Methoden siehe weiter unten!
Grundannahme der Verhaltenstherapie ist, dass alles
Verhalten und damit auch alle psychischen Probleme des Menschen anerzogen,
konditioniert ist. Die Verhaltenstherapie setzt daher direkt am Verhalten an,
ist bestrebt, das Verhalten des Menschen und sein Denken zu verändern.
a. Lerntheoretische Ansätze
Neues Verhalten wird eingeübt
und durch Reize konditioniert. Inneres Erleben etc. ist uninteressant, es
interessiert nur das von außen sicht- und messbare (besonders bei der
Klassischen Konditionierung.) Der Mensch wird als „Black Box“ angesehen. D.h.
es interessiert nicht, was im Innern des Menschen vor sich geht, sondern nur das
von außen beobachtbare und wissenschaftlich belegbare Verhalten!
Folgende Begriffe und Methoden
sind mit den lerntheoretischen Ansätzen der Verhaltenstherapie eng verbunden:
- Klassische
Konditionierung (Pawlow)
- Reiz
löst „muss“ - Reaktion aus (Speichelfluss des Pawlowschen Hundes)
- Behaviorismus
(Watson)
- alles ist anerzogen, alles konditioniert
- Operante
Konditionierung (Skinner)
- Durch
Verstärker oder Diskriminierung wird erwünschte „kann“ – Reaktion
erzeugt (Dressur); Verhaltensänderung durch die Folgen des Verhaltens.
Sind die Folgen angenehm, wird das Verhalten beibehalten (Kind:
Hilfesuchen wird erfüllt, Selbständigkeit kritisiert -> Hilflosigkeit
wird operant verstärkt!)
Fazit: Der Mensch erfährt positive und negative Konsequenzen seiner
Handlungen und lernt daraus.
- Systematische
Desensibilisierung (Wolpe)
- Flooding
(Reizüberflutung, Implosion)
- Lernen
am Modell (Bandura)
- Lernen
durch Nachahmung, Imitation, kopiertes Verhalten
Zur Beschreibung einzelner Methoden siehe weiter unten!
b. Kognitive Ansätze (als Weiterentwicklung der Lerntherorien)
Will die Art und Weise verändern, in der der Mensch über
sich denkt. Es geht um Erkenntnis und Verstehen (Denkmuster, Glaubenssätze,
beobachten, überprüfen, bewerten, Alternativen). Keine „Black Box“,
sondern Exploration des „Inneren“
- Kognitive
Therapie (Beck)
- beobachtet,
identifiziert, überprüft, sucht Alternativen
- RET,
Rational-emotive-Therapie (Ellis); ebenfalls eine kognitive Therapie
- Konfrontation
mit Glaubenssätzen (Superego)
Zur Beschreibung einzelner Methoden siehe weiter
unten!
Betonen das eigene Potential jedes Menschen. Entstanden in
Abgrenzung und als Erweiterung der traditionellen
Psychoanalyse/Tiefenpsychologie sowie der Verhaltenstherapie. Umfasst ein
breites Spektrum unterschiedlichster Methoden. Grundannahme:
Der Mensch ist gut, und hat alle Fähigkeiten die er braucht um gesund zu
werden. Die ganze Person befindet sich in einem kontinuierlichen Prozess der Veränderung
und des Werdens.
- Gestalttherapie
(Perls)
- Hier
und Jetzt der Gefühle hat Gestalt im Körper
- Gesprächspsychotherapie
(Rogers)
- Strebt
nach Selbstverwirklichung; 3 Grundprinzipien: Empathie, positive Wertschätzung,
Echtheit
- Logotherapie
(Frankl)
- Sinnfindung,
Orientierung, Verantwortung
- Psychodrama
(Moreno)
- Bioenergetik
(Lowen)
- teilweise auch zu Tiefenpsychologischen Ansätzen
gestellt, oder zu den Körperorientierten Verfahen
Die Humanistische Psychotherapie ist eng verbunden mit den
Namen Carl Rogers (Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie), Fritz Perls
(Gestalttherapie), Milton Erickson (Hypnotherapie), Viktor Frankl
(Logotherapie), Moreno (Psychodrama) u.a.
Zur Beschreibung einzelner Methoden siehe weiter
unten!
Der Mensch als Teil eines ganzen Systems bzw. verschiedener Systeme (Familie,
Arbeitsplatz etc.), durch das er geprägt und beeinflusst wird.
Einige Verfahren im Einzelnen
Traditionelle Psychoanalyse
Begründer: Sigmund Freud
Versucht lange verdrängte Erinnerungen hervorzuholen und
schmerzliche Gefühle für eine wirksame Lösung durchzuarbeiten.
Hauptziel: Unbewusstes soll bewusst gemacht und dadurch erlöst werden! = aufdeckendes
Arbeiten. Die KlientIn liegt auf einer Liege, die TherapeutIn steht oder sitzt
dahinter, für die KlientIn unsichtbar. Mehrere Sitzungen pro Woche, einige
Jahre lang.
Wichtigste Elemente der Psychoanalyse:
- Freie
Assoziation
- KlientIn
lässt die Gedanken frei schweifen und erzählt, welche Gedanken, Wünsche,
Gefühle, Bilder etc. auftreten
- Widerstand
- Widerstände
werden als Schranken zwischen dem Bewussten und Unbewussten angesehen. Sie
zeigen wichtiges Material an; daher ist es Ziel, die Wiederstände zu
erkennen, zu bearbeiten und zu überwinden.
- Traumdeutung
- Träume
gelten als wichtige Quelle für Informationen aus dem Unterbewussten.
- Übertragung
– Gegenübertragung
- Die
KlientIn bringt der TherapeutIn Gefühle entgegen, die aus alten, verdrängten
Konflikten stammen. Es findet eine Verwechslung der TherapeutIn mit früheren
Personen (z.B. Eltern) statt.
Gegenübertragung nennt man die (unerwünschte) Reaktion der TherapeutIn
in Form einer eigenen Übertragung.
- Abstinenzregel
- Die TherapeutIn darf außerhalb der Therapie keinen
Kontakt zur KlientIn pflegen und ihre eigenen Beziehungskonflikte nicht
thematisieren.
Weitere Grundbegriffe der Psychoanalyse siehe hier.
Individualpsychologie (Adler)
Ziel: Gemeinschaftsfähigkeit
Die Individualpsychologie betrachtet den Menschen als
Ganzen und unterteilt die Psyche nicht in verschiedene Schichten und Triebe. Sie
lässt in starkem Maße pädagogische Elemente einfließen. Nach Adler hat jedes
Individuum einen bestimmten Lebensstil und einen bestimmten Lebensplan nach dem
es handelt. Der Lebensplan soll bis ca. zum 4. Lebensjahr entwickelt sein. Nach
Adler erkennt man ein psychisches Fehlverhalten daran, dass sich der Patient aus
der Gemeinschaft ausgliedert (Machtmensch z.B.), anstatt sich, in die
Gemeinschaft einzubringen. Im Gegensatz zu Freud betrachtet Adler die Entstehung
von Störungen in der Abwehr gegen die Anforderungen und Erwartungen der Umwelt!
Es besteht ein Spannungsfeld zwischen ungenügender eigener Akzeptanz und
gesellschaftlichen Forderungen. Ein Kind fühlt sich von Beginn an ausgeliefert
und ohnmächtig (Minderwertigkeitsgefühl) und strebt zur Kompensation nach
eigener Macht. Adler ist die Stellung des Menschen in der Familie ist wichtig!
Das Erleben der Minderwertigkeit wird später zur wichtigen Triebfeder für für
den Einsatz des Menschen in Kultur, Politik und gesellschaftlichem Leben.
Minderwertigkeitsgefühle sollen durch Betrachten, Analysieren und einen
kreativen Konflikt mit Therapeuten (Übertragung) überwunden werden.
Charakteranalyse und Vegetotherapie (Reich)
Reich modifiziert die klassische Psychoanalyse nach Freud in Richtung einer
Widerstandsanalyse. In seinem späteren Schaffen bezog er den Körper mit in die
Psychotherapie ein und entwickelte Konzepte über allgemeine Gesetze des
Lebendigen, sowie der Funktion des vegetativen Nervensystems im speziellen
(Vegetotherapie).
Reich formulierte den Begriff des Charakterpanzers: Danach manifestieren sich
Charakterstörungen und Neurosen in chronischen muskulären Verspannungen, mit
Veränderungen der Atmung, Körperhaltung und Gestik. Mit Hilfe eines
Charakterpanzers werden traumatische Erlebnisse verdrängt und somatisiert. (sieh
auch: Lowen, Bioenergetik).
Technik: mehr oder weniger entkleidet, tiefes Atmen, Muskeldruck, Massage. Durch
die Arbeit mit dem Körper sollen die Verspannungen aufgehoben und damit auch
Veränderungen in den Charakterstörungen ereicht werden.
Analytische Psychologie Jungs
Sieht die Persönlichkeit als Konstellation
widerstreitender Kräfte in dynamischer Balance.
Zum Beispiel Einklang/Konflikt männlicher Aggressivität und weiblicher
Sensibilität. Jung erweitert das Unbewusste um den Begriff des Kollektiven
Unbewussten. Er nimmt verschiedene Archetypen der Seele (ererbte
Urbilder im Unbewussten) an.
Besonders bekannt sind Animus und Anima:
- Animus = männlicher
Archetyp, aus der Erfahrung der Frauen
- Anima = weiblicher Archetyp aus der Erfahrung der Männer
Das Unterbewusstsein trägt jeweils eher die
gegengeschlechtlichen Züge.
Typische Archetypen aus Vorgeschichte und Mythologie sind zum Beispiel: der
Sonnengott, der Helfer, der Schatten (andere Seite des Ich), Vater- und
Mutterarchetypus, das Selbst. Die Archetypen treten in allen Kulturen auf und
lassen sich durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch verfolgen.
Die analytische Psychotherapie Jungs arbeitet viel mit Märchen, Mythen und Träumen
sowie mit dem Assoziieren und kreativem Gestalten. Anders als bei der
klassischen Psychoanalyse sitzen sich TherapeutIn und KlientIn gegenüber und
arbeiten in angenehmer Atmosphäre, in freundschaftlicher Offenheit miteinander.
Bioenergetik (Lowen)
Lowen entwickelte in Weiterführung der Reichschen Charakteranalyse und der
Vegetotherapie sowie der Psychoanalyse Freuds die Bioenergetik. Seelische
Störungen werden als Energiestaus angesehen, die mit verschiedenen Techniken
und körperlichen Übungen aufgelöst werden. Die KlientIn lernt, mit eigenen
Gefühlen und Erfahrungen in Kontakt zu kommen, Verhaltensweisen zu verändern
und alte Verletzungen und Konflikte zu bewältigen bzw. zu erlösen.
Klientenzentrierte Gesprächsführung/Psychotherapie
Begründer: Carl R. Rogers
Erkenne deine Gefühle, drücke sie aus und akzeptiere dich
selbst.
Ziel der Klientenzentrierten Psychotherapie ist die Unterstützung
des Klienten bei der Entdeckung seiner Individualität. Förderung des gesunden
psychischen Wachstums. Rogers war der Ansicht, dass bei psychischen Leiden das
natürliche Streben des Menschen zur Selbstheilung gestört ist. Es gilt daher
dieses zu reaktivieren. Die TherapeutIn ist unterstützende ZuhörerIn. Sie
spiegelt und wiederholt das von der KlientIn Gesagte in eigenen Worten und fasst
die oft unausgesprochenen Gefühle in Worte (Verbalisierung). Hierdurch wird die
KlientIn angeregt, eigene Lösungen zu finden. Die TherapeutIn gibt keine
Antworten! Keine Bewertungen! Keine Anweisungen und Ratschläge!
Nicht nur als Therapie, sondern auch zur Lösung von verschiedensten Themen und
Konflikten hervorragend geeignet (Gesprächsberatung). Es ist Immer wieder
erstaunlich, auf wie einfache Weise die Ratsuchende Lösungen findet.
Zentraler Begriff: Selbstverwirklichung
Rogers stellte 3 wichtige Grundprinzipien für die
TherapeutIn auf:
- uneingeschränkte
positive Wertschätzung gegenüber der KlientIn
- Echtheit
der TherapeutIn in ihren Äußerungen und im Verhalten (Kongruenz)
- Empathie
(Einfühlungsvermögen)
Rogers gilt als einer der wesentlichen Begründer der Humanistischen
Psychotherapie.
Focusing wurde in den 60 er Jahren von Eugene Gendlin, einem langjährigen
Freund und Mitarbeiter Carl Rogers' entwickelt. Im therapeutischen Prozess lernt
die KlientIn eine Art Innenschau, bei der es darum geht, sich der Gefühle
bewusst zu werden, und wo genau sie sich im Körper äußern. Alle Gefühle
werden begrüßt und ohne Urteil angenommen. Im Verweilen und teilweise inneren
Dialog mit den Körpergefühlen können sich diese verändern und haben oft
ihrerseits etwas wichtiges für die KlientIn mitzuteilen. Viele Gefühle warten
nur darauf, ernst genommen und akzeptiert zu werden. Sobald die KlientIn
beginnt, die rigorose Ablehnung bestimmter Gefühlsqualitäten zu beenden und
sich ihnen mit offener Anteilnahme zuzuwenden, können sie sich mitunter auf
dramatische Weise verändern und ihr den Zugang zu neuem Verstehen und teilweise
ganz neuen Dimensionen der Heilung und des Ganzseins eröffnen.
Aber es geht dabei gar nicht unbedingt primär um
Veränderung der Gefühle – was das Erste und Wichtigste ist, ist, dass sie nicht
mehr abgelehnt werden, sondern ihren Raum bekommen und angenommen werden!
Logotherapie nach Viktor Frankl
In der Logotherapie geht es in erster Linie um Sinnfindung,
Orientierung und Verantwortung. Seelische Konflikte werden als Mangel an
Verständnis des Lebenssinns, wie auch dem Sinn des Leidens aufgefasst. Die
KlientIn soll in ihrem Prozess der Sinnfindung und der Bewältigung von Leid
unterstützt werden. Die Logotherapie ist eine Gesprächstherapie,die im
Gegensatz zum Klientenzentrierten Ansatz (Rogers) beratend/überzeugend und
direktiv arbeitet.
Hypnotherapie nach Milton Erickson
Hypnose ist ein tief entspannter Zustand, der mit
Einengung des Alltagsbewusstseins und Erhöhung der Konzentration einhergeht.
Dabei ist eine positive Wechselbeziehung, der Rapport, zwischen Therapeut und
Klient äußerst wichtig. Man bezeichnet diesen hypnotischen Zustand als Trance.
Er kann ganz unterschiedlich tief sein, wobei die Tiefe der Trance nicht
entscheidend für den Erfolg und die Qualität der Arbeit ist. In der Trance ist
das Unterbewusstsein besonders empfänglich für positive Gedanken und
Suggestionen des Therapeuten. In diesem Zustand können Dinge wieder erinnert
werden, die vergessen wurden, alte Muster und Verhaltensweisen aufgedeckt und
erlöst werden, positive Alternativen kreiert werden und vieles mehr.
Trancearbeit kann eine große Hilfe sein, seine Potentiale und inneren
Kraftquellen zu erkennen und zu erwecken. Bei der Hypnotherapie werden mit Hilfe
des Unterbewusstseins positive und kreative Lösungen gesucht und gefunden, die
in der für den Klienten jeweils angemessenen Zeit in sein Bewusstsein und sein
Leben integriert werden.
Als Begründer der modernen Hypnotherapie ist der
amerikanische Arzt und Psychotherapeut Milton Erickson allgemein anerkannt. Für ihn gab es
keinen Menschen, der sich nicht „hypnotisieren“ ließ (nicht in der Lage wäre,
in Trance zu gehen). Selbst größte Skeptiker wusste er zu leiten und in Trance
zu führen. Dies gelang ihm nicht zuletzt durch seine bedingungslose positive
Annahme jedes Klienten.
Ein guter Hypnotherapeut arbeitet nie „überlagernd“,
sondern kreativ ursächlich. Die Erickson'sche Hypnose arbeitet viel mit
Bildern, Metaphern und Geschichten und findet heute vielfältige
Anwendungsmöglichkeiten.
Gestalttherapie
Begründer: Fritz Perls
Konzentriert sich darauf, Psyche und Körper zu vereinen. Förderung
der Selbstaufmerksamkeit, Hier und Jetzt. Arbeitet mit zahlreichen Methoden, die
nur schwer in wenigen Worten wiederzugeben sind. Gefühle sollen in der Gruppe
ausgedrückt werden. Weit bekannt ist "Perls Stuhl" (der leere Stuhl),
auf den die KlientIn eine Person aus ihrer Vergangenheit oder Gegenwart
projizieren kann (Eltern, Arbeitgeber, Mitarbeiter, Familienmitglieder) um auf
geschützte Weise an den Themen mit dieser Person zu arbeiten. Dabei kann ein
Dialog mit dieser Person stattfinden, wobei die KlientIn sich jeweils in die
betroffene Person hineinversetzt und ausspricht, was diese ihrer Meinung nach
sagen würde.
In der Gestalttherapie ist Raum um Fantasien auszuagieren. „Unerledigte
Situationen“ werden zum Abschluss gebracht (sonst wiederholen sie sich).
Die Gestalttherapie ist sehr weit verbreitet und wird von vielen TherapeutInnen
und BeraterInnen angewendet.
Transaktionsanalyse
Begründer: Eric Berne
Bei der Transaktionsanalyse geht es um Botschaften in
zwischenmenschlichen Beziehungen (Transaktionen). In Anlehnung an die
Tiefenpsychologie Sigmund Freuds unterscheidet Berne das Kind-Ich, das
Erwachsenen-Ich und das Eltern-Ich, unter deren unterschiedlichem Einfluss ein
Mensch erlebt und reagiert. Das Ziel ist die Stärkung des Erwachsenen-Ich um
auf eine erwachsene reife Weise agieren und reagieren zu können. Mit dem
Begriff Transaktion kann jeder Austausch, jede Kommunikation zwischen Menschen
beschrieben werden. Berne nennt die sich immer wieder nach den gleichen alten
Mustern vollziehenden (nicht der jeweiligen Situation angemessenen)
Transaktionen "Spiele". Bekannte Klassiker sind die Bücher "Spiele
der Erwachsenen" von Berne und "Ich bin o.k. Du bist o.k." von
Harris.
Psychodrama (Moreno)
Jakob L. Moreno entwickelte eine Psychotherapie, in der er
die KlientInnen therapeutische Rollenspiele entwickeln und vorführen lässt. In
Form einer Gruppentherapie werden erlebte Situationen nachgespielt und Gefühle
mit Stimme und Körper möglichst deutlich ausgedrückt. So können im Spiel
unbewusste Wünsche und verdrängte Erlebnisse wieder entstehen und leichter
bearbeitet werden. Auf intensive Weise werden dabei Gefühle freigesetzt.
Verhaltenstherapien
a. Konfrontationstherapieen/ Expositionstherapien
Klassische (und teilweise operante Konditionierung)
Löschung von klassisch konditionierten Reizen =
wiederholte Darbietung des neutralen Reizes.
Exposition bei Reaktionsverhinderung (Flucht oder
Zwang); direktes Konfrontieren mit der schrecklichen Situation, dem Objekt in
normalem Alltag. Die KlientIn lernt, dass nichts Schlimmes passiert =
Dekonditionierung
- Systematische
Desensibilisierung (Wolpe) bei Phobien
Langsames Heranführen an
angstauslösendes Objekt in Entspannung
- Flooding bei Phobien und Zwängen
Reizüberflutung. Z.B. 'rauf auf den Turm bei Höhenangst und so lange
oben bleiben bis die KlientIn gelernt hat, dass nichts passiert.
Außerdem:
- Gegenkonditionierung
(Watson, Jones)
- Lernen
am Modell (Bandura)
Lernen durch Beobachtung und
Nachahmung
Arbeiten mit Belohnung für
erwünschtes Verhalten.
b. Kognitive Verhaltenstherapien
- Kognitive
Therapie nach Beck
Grundannahme: Wir sind das, was wir uns selbst
über uns sagen und denken.
Falsche Selbstüberzeugungen werden bewusst gemacht,
durchdacht, analysiert überprüft und alternatives Verhalten gesucht und eingeübt.
Die kognitive Therapie hilft dem
Klienten, seine Probleme realistischer und flexibler zu beurteilen und zu
handhaben und dadurch seine Symptome zu reduzieren. Gedanken, die für Gefühle
verantwortlich sind, werden analysiert und dann gezielt verändert.
Beispiel: Depression durch
automatische, oft unbewusste negative Gedanken.
- Rational
emotive Therapie - RET (Ellis)
Gleicher Ansatz wie Beck.
System der Persönlichkeitsveränderung
durch Veränderung irrationaler Überzeugungen, die unerwünschte Überzeugungen,
höchst belastende emotionale Reaktionen wie schwere Angst verursachen. Die RET
hält das Denken für den wichtigsten Faktor dafür, wie der Mensch sich fühlt. Störungen im Gefühlsbereich
entstehen durch irrationales Denken. Emotionale Reaktion die auf ein Ereignis
folgt, wird durch unerkannte falsche Überzeugungen verursacht. Der Klient wird
mit seinen Glaubenssätzen konfrontiert. Lernt sein „Sollte“ und „Müsste“
zu erkennen, die ihn daran hindern so zu leben, wie er eigentlich will.
A – B – C der Gefühle => A = Reiz, B = bewertende
Gedanken, C = daraus entstehende Gefühle.
- Training
sozialer Kompetenz/ Selbstsicherheitstraining
Meist in Gruppen. Verhalten ist
eine Kombination von Denken, Fühlen und eingeübten Verhaltensweisen. Es findet
eine kognitive Analyse von Denken, Fühlen und Verhaltensmustern statt; Einübung
von geändertem Verhalten.
Weitere Therapien
Primärtherapie
Tiefenpsychologisch fundierte, körper-, erlebnis- und
aktionsorientierte Methode. Begründer: Janov, Ende der 60 er Jahre. Gilt als
eines der wesentlichen Heilverfahren für Neurosen. Verdrängte frühkindliche „primäre Gefühle“
sollen wiedererlebt werden. Besonders Geburtstrauma. Kathartische Reaktionen
werden angestrebt.
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